Schülerdemo (10)

Sanierungsstau – das ist nicht schlau!

Zehlendorf und Steglitz – in den Schulen regnet’s! Mit kreativen Slogans zogen am 24. Juni rund 1000 Schülerinnen und Schüler vom Rathaus Zehlendorf zum Rathaus Steglitz. Während ihres einstündigen Protestzuges entlang der Bundesstraße 1 machten sie ihrem Ärger über ihre kaputten Schulen Luft. Lautstark forderten sie mehr Investitionen im Bildungsbereich.

Annika (r.) ist mit ihren Mitschülerinnen gekommen, "damit sich etwas ändert".
Annika (r.) ist mit ihren Mitschülerinnen gekommen, „damit sich etwas ändert“.

Annika geht in die 10. Klasse des Lilienthal Gymnasiums

Wir haben Schimmel in der Turnhalle und in den Deckenplatten sind Stoffe enthalten, die im Verdacht stehen Krebs zu erzeugen. Wir fühlen uns alle sehr unwohl. Der Haupteingang ist gesperrt, weil Elemente sich lösen. Wir möchten einfach mehr Geld für unsere Schule, damit wir uns wieder wohler fühlen.
Ich würde gerne auf eine Schule gehen, die sauber ist, und in der man keine Angst davor haben muss Krebs zu bekommen, in der man keine Angst vor herabfallenden Deckenplatten haben muss, wenn man einen Gang entlangläuft. Durch einen einsturzgefährdeten Eingang soll man nicht zur Schule gehen müssen.
Ich bin hier auf dieser Demo, damit sich etwas ändert.

 

Jan spricht vor dem Rathaus Zehlendorf zu den rund 1000 Demonstrierenden.
Jan spricht vor dem Rathaus Zehlendorf zu den rund 1000 Demonstrierenden.

Jan ist aktiv im Bezirksschülerausschuss und hat die Demonstration mit organisiert. Er besucht die 10. Klasse am Fichtenberg Gymnasium.

Unsere Aula ist gesperrt, weil das Dach darüber kaputt ist. In unserer Turnhalle ist Schimmel drin, das Dach ist auch undicht. Letztes Jahr mussten wir im Sportunterricht Eimer aufstellen um das Regenwasser aufzufangen.
Von der Fassade des Schulhauses fällt der Putz herunter, im Moment sieht es aus wie ein Schweizer Käse. Das sieht ziemlich lustig aus, aber der Bauzaun drum herum ist eine Gefahr für unsere blinden und sehbehinderten Mitschüler.
Wir haben in unserer Schule und im Bezirksschülerausschuss besprochen was wir unternehmen wollen. Wir haben festgestellt, dass es an jeder Schule im Bezirk ein oder mehrere bauliche Probleme gibt. Letztendlich haben wir uns zu diesem Schulstreik entschlossen.
Wir Schülerinnen und Schüler werden immer ein wenig belächelt. Wir würden ja sowieso nie gerne zur Schule gehen und immer nur schwänzen. Deswegen mussten wir mal zeigen, dass es eben nicht so ist. Dass wir uns engagieren, damit wir besseren Unterricht und eine bessere Bildung erhalten. Man sieht ja, dass es so nicht mehr geht. Allein in diesem Bezirk haben wir einen Sanierungsrückstau von rund 400 Millionen Euro, das ist eine unvorstellbare Summe.
Von uns wird es auf jeden Fall weitere Aktionen geben.
Als wir gestern übrigens unser Transparent gemalt haben, hat es reingeregnet. Wir haben es zunächst nur tropfen gehört und haben dann nachgeschaut was das sein könnte. Alles war nass, der ganze Boden war unter Wasser. Wir haben dann der Hausmeisterin bescheid gesagt, sie musste extra abends noch mal kommen.
Unsere Schule sieht ja so schon nicht schön aus. Aber wenn das Dach noch nicht mal einem Regenschauer standhält, dann ist das echt ein Armutszeugnis.

 

Vor allem Schüler des Lilienthal-, Fichte-, Beethoven- und des Schadow-Gymnasiums sowie der Montessori Gemeinschaftsschule gingen gegen kaputte Schulen auf die Straße. Nicht immer mit dem Segen der Schulleitungen: Vereinzelt, wie an der Wilma Rudolph Oberschule, soll teilnehmenden Schülern ein Tadel angedroht worden sein.
Vor allem Schüler des Lilienthal-, Fichte-, Beethoven- und des Schadow-Gymnasiums sowie der Montessori Gemeinschaftsschule gingen gegen kaputte Schulen auf die Straße. Nicht immer mit dem Segen der Schulleitungen: Vereinzelt, wie an der Wilma Rudolph Oberschule, soll teilnehmenden Schülern ein Tadel angedroht worden sein.

 

Lisa von der "Fichte" war als Ordnerin im Einsatz.
Lisa von der „Fichte“ war als Ordnerin im Einsatz.

 

Richtig.
Richtig.
Begeisterte Zuschauer: Kinder der Steglitzer Johannes-Kita. Vom erfolgreichen Protest der Schüler werden sie profitieren.
Begeisterte Zuschauer: Kinder der Steglitzer Johannes-Kita. Vom erfolgreichen Protest der Schüler werden sie profitieren.

/Daniela von Treuenfels

2 Gedanken zu „Sanierungsstau – das ist nicht schlau!“

  1. Natürlich sind erhöhte, nicht budgetierte Investitionen immer ein Problem und müssen intelligent gemanagt werden.
    Bei der Lösung sollte man nicht nur darauf achten, die Schulbauten einfach nach klass. Prinzipien zu sanieren, sondern gleichzeitig vorbildliche, Nachhaltigkeitssignale (Schulbauten als Leuchttürme) in den jeweiligen Bezirken zu generieren, die Ausstrahlungseffekte in puncto Nachhaltigkeit haben.
    Diese müssen nicht unwillkürlich teurer sein; so lässt sich zB. durch denkmalschutzkompatible, innovative, multifunktionale Fassadensysteme nicht nur die Sanierung vorantreiben sonderen auch eine Reduzierung der laufenden Energiekosten der Schulgebäude. Das fördert die Amortisation der Investments vom wirtschaftlichen Standpunkt aus.
    Dies kann mit Sicherheit auch die notwenigen Investments forcieren und eine Ergänungsbudgetierung fördern.
    siehe z.B. das System der Ideefa, mit dem zur Zt. die Henkel Fassade in Düsseldorf., der Bahnhof Siegen Weidenau und das Siegenia Ausstellungsgebäude ausgestattet wurden bzw werden.
    Freue mich auf den Dialog

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