Der Zugang zur „Andreas-Quelle“ im Keller des Andreas-Gymnasiums (Juli 2015)

Magisch! Ein Gymnasium huldigt seiner heiligen Quelle

4. Dezember: Heute ist der Tag der Heiligen Barbara. Der Legende nach lebte sie im 4. Jahrhundert in Nikomedien (heute Türkei). Weil sie sich gegen den Willen des Vaters dem Christentum zuwandte, wurde sie schließlich von ihm enthauptet. Schneiden Sie heute einen Zweig von einem Baum, wird er an Weihnachten blühen.

Das Andreas-Gymnasium in Friedrichshain fühlt sich einem anderen Heiligen verbunden – und die Schule lebt das auch: Der 30.11. ist der Todestag ihres Namenspatrons. Seit einigen Jahren gibt es die Tradition, an diesem Tag einen Projekttag durchzuführen.

Fünf Grundelemente prägen diesen Tag: Ein globales Thema, Seminare, eine gemeinsame Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung, Solidarisches Helfen und Handeln und die Kommunikation nach innen und außen. In diesem Jahr war das Motto  „Asien“ und basierte auf dem Hilfsprojekt der Deutschen Kindernothilfe zum Thema: Action!Kidz – Kinder gegen Kinderarbeit in Pakistan.

Da nimmt es nicht Wunder, dass andere nicht alltägliche Geschehnisse von der Schulgemeinschaft ebenfalls in Verbindung mit dem Heiligen Andreas gebracht werden. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet  „tapfer, stark, männlich, mutig“. Eigenschaften, die bei der Besteigung des Hügels auf dem Gelände der Schule (sie nennen es Schulhof) durchaus von Nutzen sein können.

Dem Wasser im Keller des Gymnasiums werden heilende Kräfte zugeschrieben. Liebevoll wird das sprudelnde Nass „Andreas-Quelle“ genannt. Die Idee, dort Fische anzusiedeln, ist durchaus naheliegend: Der Heilige Andreas soll der Legende nach Fischer gewesen sein.

Der Andreastag und sein Vorabend (Andreasnacht) leiten die Bräuche der Adventszeit ein. Am heutigen Tag mit der Kraft der Barbara vereint, kann das nur eines bedeuten:
ES GIBT HOFFNUNG!

 

Vom Wollen und Wundern. Eine kleine Geschichte zur Adventszeit

 

Frostig fegt der Winterwind über den verwaisten Schulhof des Andreas-Gymnasiums. Hier und da wirbelt eisiger Staub über dem blankbraunen Boden auf, reißt die ersten feinen Flocken mit sich in wildem Tanz, während ein paar vergilbte Herbstblätter im Gestrüpp der umliegenden Büsche noch verzweifelt Schutz suchen. Trutzig erheben sich dahinter die altehrwürdigen Gemäuer, Stock um Stock, in den wolkenverhangenen Himmel über Berlin, die Fassade eingetaucht in das schmutzige Grau eines ganzen Jahrhunderts. Ein paar einsame Bänke stehen dort – eine Aktion des Fördervereins aus wärmeren Tagen, doch zu mehr hat es nicht mehr gereicht. Nicht in diesem Jahr.

So viele Pläne sind schon geschmiedet worden, einen ganzen Wettbewerb hat es sogar gegeben, um endlich denen, die hier täglich ein- und ausgehen, lernen und lehren, einen – nein, ihren Platz zum Leben zu schaffen: zum Spielen und Spaßen, Treffen und Tratschen. Der Anfang ist gemacht, aus eigener Kraft. Doch unvollständig blieb das geschwungene Band des Amphitheaters, und rund um den einen und einzigen Basketballkorb endet die Pflasterung nur allzu bald. So führt der Weg des Besuchers meist nicht gerade, sondern im Zickzack durch Schlamm und Schmutz – vorausgesetzt, im diffusen Licht dunklerer Tages- und Jahreszeiten lässt sich erkennen, wie die hoffnungsvoll grüne Eingangstür am Ende zu erreichen ist. Erst jüngst soll die fehlende Beleuchtung von einem entsandten Sicherheitsbeauftragten bemängelt worden sein…

Der hintere Schulhof des Andreas-Gymnasiums am Morgen des 30.11.2015 (Andreas-Tag)

Der hintere Schulhof des Andreas-Gymnasiums am Morgen des 30.11.2015 (Andreas-Tag)

Mit Verwunderung dürfte auch dieser, von der Andreasstraße her kommend, auf dem Schulhof jene ungewöhnliche Erhebung zu seiner Rechten wahrgenommen haben, die die Einheimischen hier fast schon liebevoll ihren „Andreas-Hügel“ nennen. Hat man einmal den Gipfel aus Erde, Sand und Schutt erklommen, ist die Aussicht atemberaubend – wenn zur Zeit auch recht trübe. Selbst eine Senatorin und ein Bezirksstadtrat sind schon hierher gepilgert, und so mag es durchaus sein, was man sich hinter vorgehaltener Hand erzählt: Alljährlich zum „Andreas-Tag“, am Abend des 30. November, soll der Hausheilige selbst seinen Hügel heimsuchen. Lange verharrt er dann dort oben, auf sein schweres Kreuz gestützt, das Haar zerzaust vom wilden Winterwind. Und mit wachen, weisen Augen blickt er, der „Erstberufene“, in die ferne Zukunft.

Der „Andreas-Hügel“ (rechts) auf dem Schulhof des Andreas-Gymnasiums (30.11.2015)
Der „Andreas-Hügel“ (rechts) auf dem Schulhof des Andreas-Gymnasiums (30.11.2015)
Der Volksmund sagt, wir Menschen könnten dies am „Andreas-Tag“ auch. Doch was erwartet uns schon am nächsten Tag, hinter dem ersten „Türchen“? Was hinter dem zweiten? Was gar im neuen Jahr? „Andreas, hell und klar, verspricht ein gutes Jahr!“ Die gegenwärtigen Wetteraussichten sind, ehrlich gesagt, nicht gerade vielversprechend – so wie beim letzten Sponsorenlauf Mitte Oktober. „Wenn es an Andreas schneit, der Schnee noch hundert Tage bleibt.“ Auch das wollen wir nicht hoffen.

Aber Hoffnung ist ein gutes Stichwort! Nicht nur in der Adventszeit. Die hiesigen Andreaner und Andreanerinnen haben darin schon einige Übung – ganzjährig und sehr irdisch. Dabei gilt: keine Hoffnung ohne Geduld. Auch das hat man hier gelernt – zu warten. Fehlt als Drittes noch der Wille zur Veränderung, Schritt für Schritt, auf Seiten aller Beteiligten, selbst wenn Mittel und Kräfte zwischenzeitlich zu versiegen drohen. Wie sagt Volkes Mund so schön: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“ Davon könnte uns übrigens der Heilige Andreas seine ganz eigene Geschichte erzählen – damals, als er noch als Fischer von Kfar Nachum aus auf den See Genezareth hinausfahren musste, Tag für Tag, ohne zu wissen, ob und welchen Fang er mit nach Hause bringen würde… Auf Wunder zu warten, kann sehr hilfreich sein; kleine Fische tun es derweil auch. Hauptsache, man versucht es, macht sein Boot startklar und wagt sich vorsichtig hinaus.

À propos Wunder: Seit geraumer Zeit, so hört man, sollen sich nicht nur um und im Andreas-Gymnasium seltsame Dinge tun, sondern auch darunter. Aus der Tiefe der Berliner Unterwelt – einmal durch das historische Fundament und quer durch den ganzen Keller, knapp an Schularchiv und Lehrbuchsammlung vorbei – brachen sich geheime Wasser Bahn, deren Heilkräfte schon jetzt Legende sind: die „Andreas-Quelle“. Zur Kanalisierung des heiligen Nass wurden zunächst mehrere Pumpen installiert, die jedoch just vor einem Jahr – zur Weihnachtszeit – auf wundersame Weise ihren Dienst versagten. Nur durch den persönlichen Einsatz des Schulleiters konnte Schlimmeres verhindert werden. Auch das ein Wunder. Die tatsächliche Wirkung der „Andreas-Quelle“ konnte bislang zwar noch nicht wissenschaftlich exakt nachgewiesen werden, ein erstes Sample – samt Bodenprobe vom „Andreas-Hügel“ – wurde jedoch bereits im vergangenen Juli dem Fachkollegium einer außerbezirklichen Lehranstalt zur weiteren Analyse an neutralem Ort überlassen.

Der Zugang zur „Andreas-Quelle“ im Keller des Andreas-Gymnasiums (Juli 2015)
Der Zugang zur „Andreas-Quelle“ im Keller des Andreas-Gymnasiums (Juli 2015)

Inzwischen ist, wie glaubhaft versichert wurde, auch der Schulträger auf das außergewöhnliche Phänomen der „Andreas-Quelle“ aufmerksam geworden. So folgte jüngst ein sachverständiger Emissär dem hellen Stern des Amtes, fand seinen Weg zum Andreas-Gymnasium und, eskortiert von Schulleitung, Hausmeister sowie Sicherheitsbeauftragtem, hinab in den Keller. Dort entnahm er diverse Gesteinsproben im Quellbereich. Ob nun auch außer Haus weitere Zeichen und Wunder geschehen, wird das neue Jahr zeigen. Der Eiswind mag noch so sehr um das ergraute Gemäuer heulen und an den alten Türen und Fenstern rütteln – am Andreas-Gymnasium ist man derweil stolz auf die eigene „Andreas-Quelle“, die auch „mitten im kalten Winter“ noch munter sprudelt. Es soll sogar Überlegungen geben, dort zu Ehren des Namensgebers und Schutzpatrons ein paar Fische anzusiedeln, so klein sie auch sein mögen…

Johannes Schwarz

GEV-Vorsitzender am Andreas-Gymnasium

 Die „Andreas-Quelle“ im Keller des Andreas-Gymnasiums mit Steg und Pumpen (Juli 2015)
Die „Andreas-Quelle“ im Keller des Andreas-Gymnasiums mit Steg und Pumpen (Juli 2015)

 

Ein Gedanke zu „Magisch! Ein Gymnasium huldigt seiner heiligen Quelle“

  1. Das Abitur habe ich 1967 hier gemacht.
    Das Andreasgymnasium sieht ja auf den aktuellen Fotos genauso aus wie vor fast 50 Jahren.
    Als wir vor ein paar Jahren zur 100 Jahrfeier an der Schule waren,fanden wir Schulräume,die noch die alten Bodenbelege aus DDR Zeiten hatten und die Schule sich schon damals in einem desolaten Zustand befand.
    Dieser Zustand ist wirklich nur noch mit Humor zu ertragen,besonders für euch Schüler.

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