Es bröselt und gammelt: Vintage-Look in Lichterfelde

8Ganze acht Monate hat es vor fast 120 Jahren gedauert  bis die beiden Gebäude der heutigen Clemens-Brentano-Grundschule fertiggestellt waren. Im Herbst 1898 war Baubeginn, im Mai 1899 konnten 318 Schüler hier unterrichtet werden. Unglaublich, diese Geschwindigkeit! Heutzutage kriegt man in dieser Zeit vielleicht die (europaweite) Ausschreibung und Vergabe von Estricharbeiten über die Bühne.

Nun sind die Häuser, zu denen im Lauf der Jahrzehnte noch drei dazugekommen sind (zuletzt das Mensagebäude 2008) in die Jahre gekommen. Was ja weiter eigentlich nichts schlimmes ist, so manches Jahrhunderte altes Haus ist ein wahres Schmuckstück. Wenn es nicht gerade eine Schule ist. Und wenn es nicht gerade in Berlin steht. Oder gar beides.

Nun denn. Wie es so weit kommen konnte?
Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern…
Noch acht Tage bis zur Wahl.

Brentano2Die Clemens-Brentano-Grundschule liegt im Südwesten Berlins im Bezirk Steglitz-Zehlendorf in einer bevorzugten Wohnlage. Das Schulgrundstück ist umgeben von verkehrsarmen Straßen mit zahlreichem alten Baumbestand. Am 13. Mai 1899 wurde die Schule eröffnet. Die Architektur der Pavillonbauweise war im deutschen Schulbau zur damaligen Zeit geradezu revolutionär. Die Schule steht unter Denkmalschutz.

Brentano4Nun sucht die Schule jemanden, der es schafft, den Verfall der wunderschönen Häuser zu stoppen. Denn der wird unausweichlich, wenn nicht bald mit umfangreichen Sanierungsarbeiten begonnen wird. Dazu gehört auch die Teilnahme am Abreißkalender des Bezirkselternausschusses.

Brentano6Der Putz bröckelt nicht nur, er fällt großflächig auf den Boden, ein Wunder, dass noch kein Kind verletzt wurde. Um diese Gefahr zu bannen wurde er zwar abgeschlagen, aber wieder neu zu verputzen erscheint nicht notwendig -vielleicht heißt ja der neue Trend „Vintage an Gebäuden“. Die Feuchtigkeit in den Häusern nimmt dadurch zu und somit wird die Bausubstanz in Mitleidenschaft gezogen. Feuchte Keller und marode Fenster runden das Bild ab.

Brentano8In der Grundschule fürchtet man sich jetzt schon wieder vor dem Winter. Man kann in diesem Gebäude gar nicht so viel heizen, dass es mal einigermaßen warm bliebe. Die Fenster des rund 100 Jahre alten Schulhauses sind so desolat, dass die Energie einfach durch die Ritzen der maroden Fenster verpufft. Es zieht wie Hechtsuppe, an besonders kalten Tagen müssen die Kinder in Jacken unterrichtet werden.

Es gibt aber auch durchaus positives zu berichten.
Das Toilettenhaus 1 wird auch wie in der Planung vom Bezirksamt vorgesehen termingerecht in diesem Jahr noch saniert.
Ferner kann sich unsere Schule glücklich schätzen, dass die Renovierung des Flurs in Haus V noch in diesem Jahr beendet wird.

Thema Inklusion – Barrierefreiheit, was ist das??? Alle alten Häuser, in denen sich die Fachräume befinden, sind über Treppen zu begehen. Der Neubaueingang ist ebenerdig und mit einem entsprechenden WC ausgestattet. Diese Dinge sind alle den zuständigen Stellen bekannt, es muss aber dafür gesorgt werden, dass sie nicht aus den Augen verloren werden und nicht zu spät umgesetzt werden.

Es ist erschreckend, dass erst auf Druck durch Initiativen von Schüler/innen, Streiks, Diskussionsrunden und vielen Briefen sowie Pressemitteilungen sich Dinge bewegen. Die alten Schulgebäude und steigenden Schülerzahlen fallen nicht vom Himmel. Und als Privatmensch weiß man auch, dass wenn ich ein Gebäude baue ich ein paar Jahre später Mittel für die Sanierung und Instandhaltung bereithalten muss.

Wir brauchen die Schulen für die Bildung unserer Kinder. Unsere Kinder sind unsere Zukunft.

C. Schnaibel
Elternvertreterin der Clemens-Brentano-Grundschule

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