Raum für den Ganztag an allen Schulen schaffen!

3Wieviel Quadratmeter dürfen es in einer Berliner Ganztagsschule pro Schüler sein? Gefühlt: viiiiieeel zu wenig. Nüchtern gesehen: inakzeptabel. Und wer es objektiv betrachtet und Zahlen vergleicht, kommt zum Ergebnis, dass eine Mensa in München für 1000 Schüler knapp viermal so groß berechnet wird wie in Berlin.

Es wird Zeit für schöne, angenehme und großzügige Schulen. Häuser, die gut geplant für vielfältige Nutzung zur Verfügung stehen. Die Kreativität ausstrahlen und Lebensfreude.
Noch 3 Tage bis zur Wahl.

Für die Sanierung als auch den Neubau von Schulen, wollen sich in der kommenden Legislaturperiode alle Parteien mehr oder weniger einsetzen, die SPD dieses sogar zur Chefsache machen. Der Druck der Eltern hat sich also ausgezahlt. Nach Jahren des Stillstandes ist Bewegung in dieses Thema gekommen.

Doch reicht der Wille von Politik und Verwaltung aus oder muss von den Betroffenen weiter genau hingeschaut werden? Insbesondere was den Ganztagsbereich an weiterführenden Schulen angeht? Hier beginnt der Schulalltag meist früh und endet am Nachmittag. Um leistungsfähig zu sein und zu bleiben, braucht es eine Verpflegung am Mittag und Räume für deren Einnahme.

© Torben Eskerod. Rückzugskojen vor einem Schulraum in der "Schule im Südhafen" in Kopenhagen. Architekten: JJW Architekten
© Torben Eskerod. Rückzugskojen vor einem Schulraum in der „Schule im Südhafen“ in Kopenhagen. Architekten: JJW Architekten

Das Musterraumprogramm für Schulen in Berlin – welches derzeit überarbeitet wird – geht von einer Versorgung von 30% der Schüler mit einem Mittagessen aus. Dies verteilt auf zwei Durchgänge und mit 1,2 qm pro Essplatz. Dieser Raum soll zudem mehrfach genutzt werden. Real ist so Platz für 15% der Schüler vorhanden. Und die 1,2 qm pro Schüler liegen dazu deutlich unter den Empfehlungen der DGE, der Montag Stiftung u.a. Können nur bis zu 30% der Schüler in zwei Durchgängen am Essen teilnehmen, weigern sich Caterer oft, ein Schulessen anzubieten. Je kleiner die Schule, desto schwieriger wird es.

Kinder und Jugendliche, die ihr eigenes Brot, einen Salat oder ähnliches mit in die Schule bringen, werden aufgrund von Raummangel vom gemeinsamen Essen ausgeschlossen. Die Freunde bleiben dann oft ebenso fern. Ein Kreislauf, den keiner will.

© Torben Eskerod. Blick in die Küche für den Schülerunterricht in der "Schule im Südhafen" in Kopenhagen. Architekten: JJW Architekten
© Torben Eskerod. Blick in die Küche für den Schülerunterricht in der „Schule im Südhafen“ in Kopenhagen. Architekten: JJW Architekten

Baden-Württemberg geht andere Wege. Alle Schüler sollen verteilt in drei Schichten einen Platz in der Mensa finden.  In München wird von einer 90% Teilnehmerquote ausgegangen und jedem Esser 1,5 qm bei 2 Durchgängen zugestanden.  Plant Berlin bei 1.000 Schülern 180 qm ein, sind es in B-W 500 qm, in München sogar 675 qm. Für die Küchen gilt gleiches. Berlin sieht 40 qm vor, B-W fast das Doppelte, in München kann es bei 1000 Schülern sogar eine Fläche von 180 qm werden. Hier lässt sich vor Ort kochen.

Simple Mathematik, die schnell verdeutlicht, dass der Berliner Senat mit Verwaltung mehr nachdenken sollte, bevor Musterraumprogramme entwickelt und Schulen gebaut werden. Nachbessern kostet immer das Doppelte bis Dreifache und ist manchmal kaum möglich.

Darunter leiden werden wieder einmal die Kinder und Jugendlichen als auch die Familien. Integration, Gemeinschaft, die Förderung der Leistungsfähigkeit als auch Gesundheit finden nicht statt. Und Raum am Nachmittag zum Ausruhen, mit anderen treffen, fehlt ebenso.

© Torben Eskerod. Luftbild der "Schule im Südhafen" in Kopenhagen mit vielfältig nutzbaren Freizeitbereichen auf den Dächern.  Architekten: JJW Architekten
© Torben Eskerod. Luftbild der „Schule im Südhafen“ in Kopenhagen mit vielfältig nutzbaren Freizeitbereichen auf den Dächern.
Architekten: JJW Architekten

Es braucht ein Umsteuern. Veranlassen müssen dieses willige Politiker, ausführen intelligente als auch engagierte Verwaltungsangestellte in den Behörden und begleiten kritische Eltern, Schüler als auch Schulleitungen und Lehrer.

Wagen wir gemeinsam, das Kochen vor Ort wieder in Schulen einzuführen. Schaffen wir geräumige Aufenthaltsbereiche, deren Akustik keine Ohrstöpsel verlangt, erweitern wir diese Flächen mit Lese- und Ruhebereichen, einen offenen Spieltreff, eine zuschaltbare Aula, einen Beratungsraum der Jugendhilfe und öffnen diesen Bereich im Nachmittag für andere. In München, Zürich, Finnland oder Dänemark ist vieles davon möglich und wird gerade umgesetzt.

Fangen wir an, überarbeiten gemeinsam das Musterraumprogramm und schaffen ausreichend und bedarfsgerechten Platz für den Ganztag!

Doris Fortwengel und Andrea Schwarz
AG-Oberschulessen des LEA Berlin

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