11. Dezember | Vergammelt? So what. Wir brauchen Platz und Sicherheit!

Die Eltern der Grundschule im Hasengrund setzen in Sachen Protest neue Maßstäbe. Es gibt eine eigene Internetseite, es haben diverse Veranstaltungen stattgefunden und auch aktuell wird das Bezirksamt wieder mit hunderten eigens gestalteten Postkarten beschickt. Wir sind beeindruckt -)

„Uns geht es nicht in erster Linie um den bröckelnden Putz, die maroden Fenster und die veralteten Sanitäranlagen. Lüften ist schon lange Luxus, denn viele Fenster sind aus Sicherheitsgründen fest mit den Rahmen verschraubt. Wer nicht unbedingt auf die Toilette muss, geht einfach nicht, und die Sanierung der Klassenräume erfolgt meist in Eigeninitiative. “ schreiben die Eltern auf ihrer Homepage. Doch die Hauptanliegen sind andere.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir sind eine Elterninitiative, die sich an der „Grundschule im Hasengrund“ im Pankow-Niederschönhausen in diesem Frühjahr gebildet hat, um etwas gegen den maroden Zustand unserer Schule zu tun.

Wir haben eine tolle Schule mit engagierten Lehrern und Erziehern, aber: der bauliche Zustand des Gebäudes ist katastrophal. Dabei geht es uns gar nicht um bröckelnden Putz, marode und stinkende Toiletten oder Fenster, die sich nicht mehr öffnen lassen. Sondern es geht um die Grundbedürfnisse der Schüler: Sicherheit, Gesundheit, Platz!

Die Brandschutzbestimmungen werden krass unterlaufen. Es gibt u.a. nicht eine bauliche Trennung durch Wände, Brandschutztüren, Abschottung von Treppenräumen innerhalb des Gebäudes mit ca. 450 Schülern.

Mittagessen: Kinder warten auf einen freien Sitzplatz
Mittagessen: Kinder warten auf einen freien Sitzplatz

Die Essenssituation ist schlimm: 350 Kinder essen in zwei umfunktionierten beengten Klassenräumen: im Schichtsystem, es ist eng, es ist laut, Kinder müssen auf einen Platz warten, sich hetzen, kommen zu spät zum Unterricht oder lassen das Essen ganz sein… Gesund ist anders! Seit Jahren wird uns versprochen, dass ein altes Turnhallengebäude  – das die Schule nicht mehr benötigt – zur Mensa umgebaut wird. Das Projekt steht in den Investitionsplänen, Planungen existieren bereits – aber es passiert nichts!

Die Schule platzt aus allen Nähten: Jährlich kommen ein oder zwei Klassenstärken mehr neue Schüler in die Schule als in weiterführende Schulen abgehen (steigende Einwohnerzahlen in Pankow!), und nun gibt es keine Räume mehr. Fachräume gibt es kaum mehr, die verbliebenden beiden Teilungsräume für die JüL-Klassen mußten bereits in diesem Schuljahr zwei Klassenräumen weichen. Zum nächsten Schuljahr gibt es nun die Qual der Wahl: den Musikraum aufgeben? Einen der zwei Essensräume aufgeben? Katastophal!

Und vom Bezirksamt kommt hierzu trotz Hilferufen einfach keine Hilfe!

Die Stadträtin zu Besuch.
Die Stadträtin zu Besuch.

Unsere Elterninitiative hat im vergangenen halben Jahr schon einiges auf die Beine gestellt!
Wir haben Lioba Zürn-Kasztantowicz, Pankower Bezirksstadträtin für Soziales, Gesundheit, Schule und Sport zu uns eingeladen und sie gefragt, warum dieser Zustand akzeptiert wird und was sie für uns tun kann (wenig!), wir haben in einer Kunst-am-Bau-Aktion Rettungsleinen, Eimer und Schläuche aus den Fenstern des Gebäudes hängen lassen und so auf uns hingewiesen, wir haben ein Kiezfest organisert und wir haben tausende Protest-Postkarten ans Bezirksamt geschrieben, und schicken aktuell welche an die BVV.
Erreicht haben wir, dass im Sommer eine vernünftige Brand-Alarmierungsanlage eingebaut wurde. Immerhin! Aber eigentlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Protest gegen unzureichenden Brandschutz
Protest gegen unzureichenden Brandschutz

Was wir jetzt dringend und schnell brauchen – mal abgesehen von einer auf den Brandschutz abgestellten Sanierung – ist mehr Platz: durch die Mensa, durch einen Anbau oder auch durch Modularbauten.

Adventliche Grüße,
Anna Peters
für Pro Hasengrund – Elterninitiative der Grundschule im Hasengrund Berlin-Pankow
http://www.pro-hasengrund.de/

Ein Gedanke zu „11. Dezember | Vergammelt? So what. Wir brauchen Platz und Sicherheit!“

  1. Hallo liebe Mitstreiter und Mitleidende aus dem Berliner Süden,

    vielen Dank, dass wir hier dabei sein dürfen. Eine tolle Idee von euch dieser Adventskalender!

    Es ist schon ziemlich krass, dass es auch in vermeintlich „wohlhabenden“ Bezirken Berlins derartige Mängel an öffentlichen Schulen gibt. Vieles, was man hier lesen kann, trifft zu 100 % jedenfalls auch auf unsere Schule und den Bezirk Pankow insgesamt zu. Auch die netten Absichtserklärungen von Politikern, wie sie selbst hier in einigen Kommentaren abgegeben wurden, kennen wir bereits zur Genüge. Aber warum passiert dann nichts? Fehlt das Geld? Fehlen die Mitarbeiter im Amt? Sind die Bauvorschriften zu kompliziert? Niemand von den doch eigentlich verantwortlichen Stellen im Bezirk oder im Senat kann diese und viele weitere Fragen beantworten. Niemand fühlt sich auch so richtig dafür zuständig. Bezirk-Land-Bund-Abteilung XY es geht immer hin und her. Auf der Strecke bei alledem bleiben am Ende unsere Kinder!

    Noch ein Gedanke zum angeblich nicht ausreichend vorhandenen Geld:
    Dank unseres heute aus dem Amt geschiedenen Bürgermeisters geht es zumindest Teilen der Berliner Kulturlandschaft gut. In aller Deutlichkeit – es ist nichts gegen Kultur- und deren Förderung einzuwenden, insbesondere nicht für die „Kleinen“, ganz bestimmt geht es dort nicht ohne finanzielle Zuschüsse durch Land und Bund. Aber ist es nicht vielleicht doch wichtiger, zunächst für menschenwürdige Lernbedingungen bei unseren Kindern zu sorgen, bevor bspw. der Stiftung Oper in Berlin ein Zuschuss von mehr als 120 Millionen EUR pro Jahr überwiesen wird, damit dort u. a. Eintrittskarten mit 250,- EUR/pro Karte subventioniert und Gastkünstler mit horrenden Gagen engagiert werden können? Für die Sanierung und den Ausbau unserer Grundschule im Hasengrund in Pankow hat das Amt rund 5 Millionen EUR veranschlagt. Na dann können wir doch glatt mehr als 20 Schulen pro Jahr sanieren, wenn allein diese 120 Millionen EUR umverteilt werden…..
    Große Opernhäuser und vieles andere kann sich Berlin meiner Meinung nach erst dann leisten, wenn wir diesen Kalender nicht mehr brauchen! Bis dahin sollten sich die üppig geförderten Kultureinrichtungen und deren Verantwortliche vielleicht mal ein Beispiel an den Berliner Eltern und deren Einfallsreichtum und Engagement beim Einwerben von finanziellen Mitteln für ihre Schulen nehmen. Sponsorenläufe, Sponsorensuche, Spenden, Arbeitseinsätze und und und – damit die Renovierung von Klassenräumen oder die Gestaltung von Schulhöfen in Eigenregie finanziert werden können. Und bei alledem stellt sich die Frage: Ist es Aufgabe steuerzahlender Eltern, Geld für die Schulen Ihrer Kinder einzuwerben oder zu spenden?

    Nun sicherlich teilt nicht jeder diese rein persönliche Meinung, aber vielleicht ist sie ja mal Anregung für einen engagierten Politiker, das eine oder andere in unserer Stadt doch einmal in Frage zu stellen…. Sie dürfen sich diese Gedanken gerne zu Eigen machen – zum Wohle unserer Kinder!

    In diesem Sinne nochmals danke an die Macher dieses Kalenders, ganz viel Erfolg und noch eine schöne Adventszeit!

    Andreas
    Pressesprecher der Elterninitiative „Pro-Hasengrund“

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